Im Jakotop – Einblicke in ein Grazer Biotop

Regisseur Markus Mörth und Bezirksvorsteher Klaus Strobl drehen eine Doku über die Lebenswelten im verkehrsgeplagten Grazer Bezirk Jakomini. Jakotop lautet der (Arbeits-)Titel des Dokumentarfilms über den Grazer Bezirk Jakomini und seine Bewohner, bei dem Markus Mörth Regie führt. Es ist der einzige filmische Beitrag für das Grazer „Kulturjahr 2020“, das unter dem Motto „Wie wir leben wollen“ steht. Mörth und Projektinitiator Klaus Strobl wollen u. a. aufzeigen, wo und wie sich die Bewohner des Bezirks ihre Rückzugsorte schaffen. Der Film soll auf der Diagonale 2021 Premiere feiern.

Natürlich hat er auch seine ruhigen Ecken: den Augarten etwa und die Altbauten, die an ihn grenzen. Von vielen aber wird der Grazer Bezirk Jakomini als Durchzugsort wahrgenommen. Am Jakominiplatz, an dem alle Grazer Straßenbahn- und viele Buslinien zusammenkommen, steigen jeden Tag Tausende Menschen um. Viele Autofahrer – 30.000 täglich – pendeln durch Jakomini in die Stadt – oder aus der Stadt hinaus, etwa um zum Autobahnzubringer zu gelangen. Die Verkehrsbelastung ist groß, gleichzeitig wird im Bezirk, dort, wo es überhaupt noch geht, viel gebaut: Kein anderer Grazer Bezirk ist so dicht besiedelt wie Jakomini.

Mirjam Martits, Die Presse, 07. Februar 2020, Seite 12, Menschen/Veranstaltungen

Wie es sich hier wohnt, „wie sich die Bewohner hier ihre Rückzugsorte, ihre Utopien schaffen, und wieso sie gern hier leben“, das alles will der Grazer Regisseur Markus Mörth in einer Doku einfangen. „Jakotop“ lautet der vorläufige Titel des Filmprojekts, das auch dank einer Förderung durch das Grazer „Kulturjahr 2020“ verwirklicht wird. Das Thema des Kulturjahres – „Wie wir leben wollen“ – wird dabei auch in „Jakotop“ aufgegriffen.

„Ein wilder Ort“

„Um die Gegenwart zu verstehen, muss man in die Vergangenheit schauen,“ sagt Klaus Strobl, der die Idee zum Film hatte, „aber auch in die Zukunft blicken: Wie soll sich der Bezirk entwickeln? Wie sehen die Bewohner das, und wie gehen sie damit um?“ Strobl führt mit dem Café Jakomini nicht nur eine der Kulturinitiativen im Bezirk, er ist hier auch Bezirksvorsteher. „Jakomini ist ein Schmelztiegel, ein Biotop“, sagt Strobl. Hier sei alles vertreten: Der bürgerliche Norden, die pulsierende Mitte rund um die Stadthalle, die sozial schwächeren Arbeiterviertel, die Studentengegenden in TU-Nähe.

Regisseur Mörth war anfangs nur als Berater dabei, begann aber intensiv zu recherchieren, viele Bewohner kennenzulernen, den Bezirk zu Fuß zu erkunden („Das ist das Schöne an Graz: Man kommt zu Fuß überall hin“) und entschloss sich schließlich, den Film selbst umzusetzen. Jakomini ist er seit seiner Kindheit verbunden: Mörths Großeltern lebten unweit des Jakominigürtels, „in einer Seitengasse, in der viele Lehrer und Beamte gewohnt haben. Nur zwei Straßen weiter hat ein wahnsinniges soziales Gefälle begonnen.“ Sozialer Wohnbau, Jugendbanden. „Ich hab Jakomini als Kind immer als wilden Ort wahrgenommen, als einen, an dem es alles gibt.“

Trailer „IM JAKOTOP – Ein Heimatfilm von Markus Mörth“ – 2020 Eine Café Jakomini Produktion

Im Film kommen diverse Bewohner zu Wort, von Volksschulkindern bis zu einer 94-jährigen Frau. Vier Bewohner werden sozusagen die Hauptrollen spielen und filmisch durch das heurige Jahr begleitet. Dazu kommen weitere, „die wir bei ihnen zu Hause treffen, in ihrem Geschäft oder an ihrem Lieblingsort“, sagt Mörth. „Wir schauen zu, beobachten und lassen uns erzählen, was ihnen hier gefällt.“ Auch die Bautätigkeit im Bezirk wird sich als visueller roter Faden durch die Doku ziehen.

Das Interesse der Bewohner am Filmprojekt sei jedenfalls groß, sagt Strobl. Durch seine Tätigkeit als Bezirksvorsteher „hat er einen wahnsinnigen Schatz an Menschen“ (Mörth), die nun teils in der Dokumentation vorkommen. Kürzlich gab es auch einen offenen Drehtag, zu dem Bezirksbewohner mit ihren Geschichten kommen konnten. „Andere schreiben uns ein Mail und fragen, ob sie etwas beitragen können“, so Strobl. Fertiggestellt wird die Doku erst 2021: Dann soll sie, so die Hoffnung, auf der Diagonale gezeigt werden.

Quelle: Mirjam Martits, Die Presse, 07. Februar 2020, Seite 12, Menschen/Veranstaltungen

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